Donnerstag, 19. April 2012

Die Seelen der Nacht von Deborah Harkness



Autor: Harkness, Deborah
Titel: Die Seelen der Nacht
Originaltitel: A Discovery of Witches
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 26. September 2011
ISBN-10: 3764503912
ISBN-13: 9783764503918
Seiten: 797
Einband: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Serie: All Souls Trilogy Bnd.1


Inhalt

Dr. Diana Bishop ist eine Historikerin, wie sie im Buche steht. In ihren noch jungen Jahren hat sie bereits viele Preise und Auszeichnungen erhalten. Und außerdem entstammt sie einem sehr mächtigen Hexengeschlecht. Nur leider verbringt sie den Großteil ihrer Zeit damit, ihre Kräfte zu verleugnen und zu unterdrücken. Sehr selten erlaubt sie sich kleine Ausrutscher. Und ausgerechnet bei einem Solchen wird sie beobachtet. Aber nicht von einem Menschen, sondern von einem Vampir ... Matthew Clairmont, was umso schlimmer ist, da die beiden Arten miteinander verfeindet sind.
Ab diesem Zeitpunkt wird sie den Vampir allerdings nicht mehr los. Und auch andere Wesen scheinen sich nun brennend für Diana zu interessieren. Sie wird beschattet und bedroht. Nur Matthew verdankt sie es, dass sie aus dieser ganzen Situation fliehen kann. Er bringt sie nach Frankreich in sein Heim. Doch auch dort ist der Schutz nur von kurzer Dauer und die beiden müssen sich schnell überlegen, wie es weiter gehen soll.

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Leseprobe

Das in Leder gebundene Manuskript schien nicht weiter bemerkenswert zu sein. Für einen gewöhnlichen Historiker hätte es sich nicht von unzähligen anderen, ebenso alten und zerlesenen Handschriften in der Bodleian Library in Oxford unterschieden. Aber als ich es in Händen hielt, war mir sofort klar, dass es damit irgendetwas auf sich hatte.

An diesem Nachmittag Ende September war so gut wie niemand im Duke-Humfrey-Lesesaal, und da der sommerliche Ansturm der Gelehrten auf Studienreise inzwischen abgeebbt war und der Tumult zu Anfang des Herbstsemesters noch nicht eingesetzt hatte, wurden die angeforderten Schriften prompt geliefert. »Dr. Bishop, die angeforderten Handschriften liegen jetzt vor«, flüsterte Sean mit leiser Ironie, als ich an die Ausleihtheke trat. Die alten Ledereinbände hatten auf dem Rautenmuster seines Pullovers rostfarbene Streifen hinterlassen, die er verlegen wegzuwischen versuchte. Dabei sprang eine sandfarbene Locke in seine Stirn.
»Danke.« Ich schenkte ihm ein ergebenes Lächeln. Schließlich missachtete ich ungeniert alle Ausleihbeschränkungen, und Sean, der während unserer gemeinsamen Studienzeit viele, viele Stunden mit mir unter der rosa Stuckdecke in dem Pub auf der anderen Straßenseite verbracht hatte, hatte meine Anforderungen seit über einer Woche klaglos erfüllt. »Und hör auf, mich Dr. Bishop zu nennen. Ich habe immer das Gefühl, du meinst jemand anderen.«


Meine Meinung

Zuerst mal fällt mir nur ein Wow ein. In diesem Buch steckt sehr viel Arbeit. Knapp 800 Seiten lang erstrecken sich die Geschehnisse um Diana und Matthew. Sehr aufwendig wird das Leben der beiden geschildert, die Vergangenheit genauso wie die Gegenwart. Minutiös lässt uns die Autorin an den Handlungen teilnehmen. Und nicht nur das, auch das vorkommende Wissen im Bereich der Alchemie und Biochemie ist atemberaubend.

Versuchen wir, das ganze mal auseinander zu nehmen. Zuerst einmal ein paar Sätze zu Diana, der Protagonistin. Sie ist eine Hexe aus der Familie Bishop. Die Begebenheiten in ihrer Vergangenheit, so z.B. der Tod ihrer Eltern, lassen sie zu einem sehr starken Charakter werden. Vor nichts schreckt sie zurück außer ihren Kräften. Und auch dafür wird dem Leser eine Erklärung geliefert. Außerdem kämpft sie wie eine Löwin für ihre Liebe zu Matthew, denn in ihrer Welt ist eine Verbindung zwischen Hexe und Vampir strengstens verboten. Ich mag Diana und freue mich darauf ihre weitere Entwicklung zu beobachten.

Matthew ist ein Mann, wie ich ihn mir wünschen würde. Der absolute Beschützer, rau und doch sanft und zärtlich. Zuerst gebärdet er sich wie eine harte Nuss, doch auch seine Beweggründe werden dem Leser später erläutert, so dass man seine Haltung durchaus verstehen kann. Trotzdem stellt er das Wohl von Diana an erste Stelle und riskiert alles, um an ihrer Seite sein zu können. Und eine weitere Sache, die mich sehr an ihm fasziniert, er ist gute 1500 Jahre alt ... also hat er wirklich verdammt viel von der Welt gesehen. Da wäre meine Neugier definitiv geweckt.

Und auch alle anderen Charaktere sind sehr liebevoll ausgearbeitet. So haben wir eine ständig unzufriedene und muffelnde Tante Sarah Bishop und ihr ruhigeres Gegenstück, ihre Lebensgefährtin Emily. Dann Matthew’s Mutter Ysabeau, eine sehr stolze und zu Beginn unnahbare Frau. Der Fiesling und Hexer Peter Knox und noch viele mehr.

Die Idee des Buches finde ich ebenfalls sehr gelungen. Die drei übernatürlichen Arten – Vampire, Dämonen und Hexen – sind auf der Suche nach einem seit vielen Jahren verschollenem Buch, welches durch Zufall in Diana’s Hände gelangt, ohne dass sie weiß, was es ist. Kurze Zeit später ist es wieder nicht mehr aufzuspüren, doch alle Übernatürlichen wollen es haben. So entspinnt sich das älteste Spiel von Jägern und Gejagten. Und dazwischen entwickelt sich eine unmöglich scheinende Liebe.

Der Schreibstil an sich ist ziemlich flüssig. Das einzige was mich immer wieder stocken lies waren die vielen Passagen über die Alchemie und Biochemie, die sich mit der Zeit einfach nur noch ziemlich zäh lesen ließen. Verständlich für mich ist, dass es zu dieser ungewöhnlichen Geschichte dazu gehört, doch zog es sich für mich dadurch unnötig in die Länge. Ohne dass ich jetzt aber sagen möchte, dass es langweilig gewesen wäre.

Das Cover ist sehr schön gestaltet. Seerosen mit rosa Blüten leuchten regelrecht vor einem schwarzen Hintergrund. Schön anzusehen. Nur erschließt sich mir daraus der Zusammenhang zum Buch leider nicht. Trotzdem gefällt es mir sehr. Die Farben sprechen mich irgendwie an.

Ein Gelungener Auftakt mit kleineren Mängeln. Alles in allem aber lesenswert und durchaus zu empfehlen. Hoffe auf eine baldige Fortsetzung.





Autorenportrait

 Deborah Harkness ist Professorin für europäische Geschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten erhielt sie bereits mehrfach Stipendien und Auszeichnungen. Sie schreibt außerdem ein preisgekröntes Wein-Blog (goodwineunder20.blogspot.com).

Die Seelen der Nacht ist Deborah Harkness' erster Roman, weitere Bücher der Autorin sind bei Blanvalet bereits in Vorbereitung.

Kommentare:

  1. ich fands auch sehr gut :D
    ich freu mich auch schon auf den 2 Band ( ich denke ja, dass es den noch gibt C:)
    tolle rezi
    lg Alisia

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    1. Natürlich wirds den noch geben, sofern der Verlag ihn auflegt. Im englischen kommt ja der 2. Teil jetzt auch erst raus. Freue mich darauf zu sehen, wie es mit den beiden weiter geht.

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  2. Huhu,
    ich habe das an einem (Feier)Tag durchgelesen. Das Buch hat mich so gefesselt. Jetzt im Mai erscheint der zweite Teil im englischen Original, wenn der Verlag genauso viel Zeit für die Übersetztung braucht wie letztes Jahr, können wir uns im Herbst auf den deutschen Teil 2 freuen!
    Kompliment an dieser Stelle mal an dich: ich lese deine Rezis echt gerne!
    Viele Grüße
    Judith

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    1. Vielen Danke für dein Lob. Freue mich sehr, wenn ich mit meinen Rezis nicht ganz daneben liege ^^
      Und meine Leute haben mich schon für bekloppt erklärt, weil ich dieses Buch in 2 Tagen gelesen hatte. Mit nur einem Tag .... Respekt ;)

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  3. Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen. Tolle Rezi

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