Montag, 23. April 2012

ICE-Hüter des Nordens von Sarah Beth Durst


Autor: Durst, Sarah Beth
Titel: ICE - Hüter des Nordens
Originaltitel: Ice
Verlag: Lyx
Erschienen: 9. Februar 2012
ISBN-10: 3802586026
ISBN-13: 978-3802586026
Seiten: 291
Einband: Taschenbuch
Serie: ---

Inhalt

Cassie lebt mit ihrem Vater auf einer Forschungsstation in der Arktis. Ihre Aufgabe besteht im Beobachten von Eisbären. Ihre Mutter kennt sie nicht, denn sie ist bei ihrer Geburt gestorben. An ihrem 18. Geburtstag macht sie sich allein auf den Weg ins Packeis um einen Eisbären zu verfolgen. Er ist der Größte den sie je gesehen hat. Doch bevor sie nahe genug herankommen kann verschwindet er einfach. Erst am Abend sieht sie ihn wieder, direkt im Lager. Er berichtet ihr von einer Legende, die sie bisher immer für ein Märchen gehalten hat. Doch stellt sich jetzt heraus, dass all das der Wahrheit entspricht. Jetzt muss sie sich entscheiden ... geht sie den vorher bestimmten Weg oder lehnt sie sich gegen ihr Schicksal auf. Denn das Leben ihrer Mutter steht auf dem Spiel.


Leseprobe

»Es war einmal vor langer, langer Zeit, da sagte der Nordwind zum König der Eisbären: ›Stehle mir eine Tochter, und wenn sie herangewachsen ist, soll sie deine Braut sein.‹«
Cassie, vier Jahre alt, klammerte sich fest an ihre Bettdecke und blickte unverwandt auf ihre Großmutter. Die saß steif auf der äußersten Kante von Cassies Bett und erinnerte, hochgewachsen und aufrecht, in ihrer linken Hand einen Gehstock aus Mahagoni, an einen Armeegeneral. Dad war heute Abend nicht da. Er hatte außerhalb der Station zu tun. Das bedeutete, Cassie würde die Geschichte hören. Gram erzählte sie niemals, wenn er zu Hause war. Und es war die einzige Geschichte, die sie überhaupt je erzählte.
»Und so kam es, dass der König der Eisbären ein Menschenkind entführte und es dem Nordwind brachte. Von da an lebte es bei ihm. Der Nordwind war sein Vater, und der Westwind, der Südwind und der Ostwind waren seine Onkel. Es wuchs zu einer wunderschönen, aber sehr einsamen jungen Frau heran. Eines Tages, als die Winde nicht da waren (was oft geschah), traf sie einen Menschen, einen Mann. Sie freundete sich mit ihm an, und schließlich verliebten sich die beiden ineinander.
Als nun der König der Eisbären erschien, um seine Braut einzufordern, wies sie ihn ab. Ihr Herz, sagte sie, gehöre einem anderen. ›Ich will keine Braut, die nur aus Zwang die Meine wird‹, sagte er zu ihr. ›Aber dein Vater hat mir ein Versprechen gegeben.‹


Meine Meinung

Dieses Buch war ein richtiger Page-Turner. Innerhalb eines Tages hatte ich die Geschichte gelesen. Wunderbar romantisch und sehr phantasielvoll.

Was mir sehr schnell aufgefallen ist sind die Parallelen zu einem sehr schönen Märchen. Der Eisbärkönig. Da ich dieses Märchen aber liebe, fand ich das jetzt nicht schlimm, denn es ist abgewandelt und mit vielen neuen Richtungen versehen. Einzig das Grundgerüst der Geschichte ist dieselbe. So z.B. die Heirat mit einem Eisbär, die Braut darf das menschliche Gesicht ihres Gatten nicht sehen und als sie es doch sieht, muss er eine andere Frau heiraten.
Vieles andere ist auch neu hinzugefügt worden ... die Hüter, die Familie von Cassie (mit Nordwind als Großvater) und die Trolle.

Kommen wir zur Protagonistin Cassie. Sie hat ihr ganzes Leben auf dieser Forschungsstation verbrachht und kennt sich sehr gut in der Arktis aus. Ihre Großmutter erzählte ihr immer die Geschichte von dem Eisbär und dem Nordwind, doch mit den Jahren war es dann eben nicht mehr als eine Geschichte. Als sie dann schließlich dem Eisbär begegnet bleibt sie erstaunlich ruhig. Ich wäre hysterisch geworden. Und diese Stärke zieht sich durchs ganze Buch.

Bär, wie der Eisbär genannt wird, lebt schon sehr lange. Er ist der Munaqsri, ein sogenannter Hüter, der Eisbären. Diese Munaqsri sind für den Fortbestand der Arten zuständig. Sie sammeln die Seelen der sterbenden und geleiten sie zu einer neuen Geburt. Da allerdings ihre Art immer mehr ausstirbt ist es für den Bären sehr wichtig eine Frau zu bekommen. Die hat er in Cassie gefunden. Er ist sehr liebevoll und fürsorglich zu ihr, doch er versteht oft ihre Beweggründe nicht und handelt dadurch unüberlegt. Trotzdem ist er sehr symphatisch.

Die Art, wie die Autorin hier das Leben beschreibt, ist einfach sehr schön. Gerne würde ich mir das Leben und Sterben so vorstellen. Die Essenz, die Seele, bleibt erhalten und wird immer wieder geboren. So geht das, was den Menschen und die Tiere ausmacht, nicht verloren.

Der Schreibstil ist sehr gut lesbar. Man wird in die Geschichte gezogen und nicht wieder losgelassen. Hinzu kommt die mit viel Phantasie gestaltete Geschichte, die sehr bildlich dargestellt wird. Schon alleine die Beschreibung des Palastes des Bären ist einfach unglaublich.

Das Cover ist ebenso schön gestaltet. Es passt perfekt zu einem Märchen. Die Hauptfarben sind Violett, Lila und ein sehr helles Blau. Am unteren Rand läuft ein Eisbär durch die Arktis. Auf der oberen Hälfte sieht man den unteren Teil eines Frauengesichts und ihre Hände, die eine vereist wirkende Rosenblüte halten. Die Blüte und der Schriftzug Ice sind mit einem Spotlack aufgebracht, was die Wirkung es sei aus Eis noch stärker hervorhebt.
Das Buch ist in 3 Teile unterteilt, jeweils gekennzeichnet durch einen Eisbär und einer Teil-Überschrift. Die Kapitel sind mit Schneeflocken verziert und liefern immer eine genaue Ortsangabe in Längen- und Breitengraden.






Dieses Buch sollte man einfach gelesen haben. Einfach romantisch und zeitlos schön.





Autorenportrait
 

Sarah Beth Durst schreibt magische, märchenhafte und freche Bücher für junge und junggebliebene Leser. In Ice – Hüter des Nordens, das sie als Liebeserklärung an ihren Mann geschrieben hat, greift sie das Thema eines alten skandinavisches Märchens auf, während Ivy – Steinerne Wächter von ihrer Studentenzeit an der Princeton University inspiriert ist. Die wunderschöne alte Universität mit ihren vielen Wasserspeiern hat schon immer ihre Fantasie angeregt. Sarah wurde mehrfach für den renommierten Andre Norton Award nominiert.

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