Mittwoch, 8. August 2012

Dark Love von Lia Habel






Autor: Lia Habel
Titel: Dark Love
Originaltitel: Dearly, Departed
Verlag: Piper
Erschienen: Novemeber 2011
ISBN-10: 3492702198
ISBN-13: 9783492702195
Seiten: 507
Einband: Taschenbuch


Inhalt

Wir befinden uns in einer neuen Welt. Die Menschheit hat sich fast selbst vernichtet und lebt jetzt nach einem neuen, oder auch alten, Wertesystem. Vorbild ist das Victorianische England.
In dieser Welt wächst Nora Dearly auf, geht zur Schule und muss mit ihrem Alltag zurecht kommen. So auch mit dem Tod ihres Vaters. Gerade, als sie diesen Schlag verwunden hat, gerät ihre Welt erneut aus den Fugen. Sie wird entführt. Und nicht nur von irgendjemandem, sondern von Zombies. Lebenden Toten, die mehr oder weniger menschlich aussehen. Jetzt muss sie ihre gesamte Weltanschauung überdenken. Denn diese "Leute" wollen ihr anscheinend helfen. Doch wer sind dann die Bösen? Und warum taucht der Name ihres Vaters in diesem Zusammenhang auf. Als die ganze Situation aus den Fugen gerät bleibt Nora nur eine Wahl. Sie muss Bram, ihrem Entführer blind vertrauen .... und warum schlägt ihr Herz in seiner Gegenwardt so laut?


Leseprobe

Ich war lebendig begraben.
Das wurde mir in dem Moment klar, als der Fahrstuhl irgendwo in dem steinernen Schacht ächzend zum Stehen kam. Ich war gefangen, über tausend Meter unter der Erdoberfläche und gute hundertfünfzig Meter über dem Grund des Schachtes, in einem drei mal drei Meter messenden Käfig über den Tiefen der Mine,in der ich Arbeit gefunden hatte. Ich war damals so verdammt erleichtert gewesen.
Ich zog mich auf die Füße, schob meinen besten Freund Jack zur Seite und schlug auf den Knopf, der den Fahrstuhl regelte. Wieder und wieder hämmerte ich mit der Faust darauf. Nichts. Die verglaste Laterne, die von der Decke baumelte, flackerte auf, während das Kerosin darin zur Neige ging, als wollte die ersterbende Flamme dadurch den Tod fernhalten.
Todesangst verdichtete sich auch in mir zu einem greifbaren, brennenden Etwas, das mein Fleisch nach seinem Willen formte, mein Herz schneller schlagen ließ und meine Haut mit glitschigem Schweiß überzog. Plötzlich musste ich mich übergeben. Mein Körper krampfte sich zusammen und ich erbrach mich durch den Gitterboden. Jack saß still neben mir.


Meine Meinung

Meine Gedanken zu diesem Buch zu schreiben ist nicht ganz so einfach. Aber ich werde mich bemühen, objektiv zu bleiben und alles zu beachten. :)

Die Idee an sich finde ich nicht mal schlecht. Eine zukünftige Welt, die zwar noch in Ansätzen an unsere erinnert und trotzdem vollkommen neu ist. Dem Autor sind damit keine Grenzen gesetzt. Sehr farbenfroh hat Lia Habel uns diese Welt gezeichnet. Die Rückführung der Gesellschaft zu einem alten Wertesystem in der Zukunft ist sehr gelungen.
Gewürzt wird das ganze mit Fantasy-Elementen. Nämlich einem Virus, der Menschen tötet .... nur um sie wieder auferstehen zu lassen, als Zombies. Der gesamte Aufbau dieser Zombie-Welt ist ihr ebenfalls gut gelungen, sodass man nicht vor Ekel zusammenzuckt.
Hinzu kommt dann auch noch die Liebesgeschichte zwischen Nora und dem Zombie Bram. Sich diese nur vorzustellen ist schon schwierig. Ich war sehr gespannt, wie Lia Habel diese aufbauen würde. Und auch hier hat sie das sehr geschickt gemacht. Das ganze Buch über habe ich mich gefragt, wie sie das Ende wohl auflösen würde, für mich war es zu plötzlich und zu offen. Das finde ich wirklich schade. Ob es einen Folgeband geben wird, weiß ich nicht.

Nun zur Protagonistin Nora. Sie ist eine mutige und durchaus sture Heldin, aber das Herz hat sie auf jedem Fall am rechten Fleck. Wenn Freunde sie brauchen ist sie zur Stelle um zu helfen. Als sie entführt wird und mit den Zombies konfrontiert wird bleibt sie erstaunlicherweise relativ ruhig. Und schnell fasst sie Vertrauen zu den "guten" Zombies. Für mich kam das fast ein bisschen blauäugig rüber. Doch steht sie kompromisslos zu ihren Gefühlen, auch wenn es echt gewöhnungsbedürftig ist.

Bram ist ein "gutaussehender" Zombie. Gestorben ist er als junger Mann und muss sich dann mit seinem neuen "Leben" zurecht finden. Das macht er ziemlich souverän. Mittlerweile ist er Captain einer Zombie-Einheit und somit für die Sicherheit von Nora verantwortlich. Er ist ziemlich keck und hat definitiv seinen eigenen Kopf. Und seine Gefühle für Nora machen ihn nur umso stärker.

Wichtig ist dann noch Pamela, die beste Freundin von Nora. Sie ist sehr charakterstark und dabei sehr liebevoll. Sie will immer allen helfen und begibt sich dadurch ständig selbst in Gefahr. Sie wird sogar zur Mörderin als ihr keine andere Wahl bleibt. Als sie schließlich mit den Zombies konfrontiert wird behält sie einen relativ kühlen Kopf, was aber zum Großteil dem Vertrauen zu ihrer Freundin geschuldet ist.

Es gibt noch viele weitere bunte, witzige, dumme und nervige Charaktere. Sie machen die Geschichte in gewisser Weise zu etwas besonderem.

Was mich persönlich allerdings sehr gestört hat waren die vielen Ich-Erzähler. Dazu gehören Nora, Bram, Pamela, Victor und Wolfe, der Anführer der Zombie-Armee. Diese vielen Perspektiven geben zwar einen guten Einblick in die Gefühlswelt der verschiedenen Charaktere, allerdings hat es mich häufig sehr verwirrt ständig von einem Kopf in den anderen zu springen. Sogar so sehr, dass ich häufig nochmal nachblättern musste und bestimmte Passagen doppelt lesen musst, um alles korrekt erfassen zu können.

Hinzu kam dann außerdem noch, dass der Beginn des Buches hauptsächlich in Erklärungen ausgeartet ist, sowie in Rückblicken in Noras Leben. Somit beginnt das ganze etwas zäh. Der erste zackige Teil war der Überfall auf Nora. Danach geht es wieder seichter zu. Erst die letzten Seiten waren dann wieder zügig zu lesen, es geht Schlag auf Schlag. Und wie schon erwähnt ist das Ende ziemlich offen.

Der Schreibstil ist flüssig. Man kann der Geschichte gut folgen und stolpert nicht über irgendwelche verschachtelten Sätze. Die Benutzung von gehobenen Ausdrücken, wie aus alter Zeit, hat mit gut gefallen.

Und auch das Cover ist gut gelungen. Es ist schwarz und nur mit dem silbernen Muster aufgelockert. Der Name des Buches steht in einem Herz. Beides Hinweise auf die Liebesgeschichte zwischen Nora und Bram.
Schlicht und doch schön. Es hat mich sofort angesprochen.
Die einzelnen Kapitel sind immer mit einer Namenstafel versehen um anzuzeigen, in wessen Gedanken man in der Geschichte eintreten wird. Optisch ist es schön gelöst.



Die Idee an sich ist sehr interessant. Die Umsetzung allerdings war für mich nicht die Beste, die ich mir vorstellen konnte. Lahmer Anfang, steigender Verlauf .... der Schluß schön rasant. Alles in allem nicht das schlechteste, was ich bisher gelesen habe.






Autorenportrait



Lia Habel wurde in einer kleinen Stadt im Westen des Bundesstaates New York geboren. Sie trinkt viel zu viel Kaffee und besitzt drei Katzen, denen sie in ihrem Debüt ein Denkmal setzt. Die Idee zu »Dark Love« hatte Lia während einer Busfahrt nach New York, als ihr der Lesestoff ausging und sie sich fragte, warum die Monster in Büchern immer gut aussehen und warum sie noch nie eine Liebesgeschichte mit Untoten gelesen hatte.

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