Freitag, 28. September 2012

Anna Sheehan - Während ich schlief



Autor: Anna Sheehan
Titel: Während ich schlief
Originaltitel: A long, long sleep
Verlag: Goldmann
Erschienen: 17. Oktober 2011
ISBN-10: 3442475651
ISBN-13: 9783442475650
Seiten: 352
Einband: Taschenbuch
Serie: ?
 
 
Inhalt:
 
Was würdest du tun, wenn das Leben, wie du es kennst, für dich entgültig verloren ist. So geht es Rose. Nach 62 Jahren Stasis-Schlaf erwacht sie wieder zum Leben und muss sich dieser Tatsache stellen. Nichts ist mehr so, wie sie es kannte. Alle Menschen, die ihr etwas bedeuteten, sind tot.
Nur sehr langsam kann sie sich in diese neue Welt integrieren. Dabei hilft ihr Bren, der ihr zum Freund wird .... und vielleicht auch mehr. Und Otto, der einen gewissen Teil ihres Schicksal mit ihr teilt - die Einsamkeit und das unverstanden sein.
Doch schon ziehen die nächsten dunklen Wolken am Horizont auf. Denn eine finstere Gestalt verfolgt Rose und scheint bis zum Äußersten gehen zu wollen um sein Ziel zu erreichen ...


Leseprobe:

Stets hatte ich mich so lange wie möglich an meine Stase-Träume geklammert. Es war ein Spiel, das ich  spielte, diese nebelhaften Bilder, die so leicht entschlüpften, zu verfolgen und einzufangen. Ich versuchte, in der Stasis zu bleiben, mein Herz weiter so langsam schlagen zu lassen, dass ich nichts fühlte, meine Lunge nicht aufzuwecken. Ein- oder zweimal schaffte ich es, so lange in dem Zustand zu verharren, dass meine Mutter Panik bekam und die Lebensrettungsfunktion einschaltete.
Als mir daher die leuchtend blaue Meereslandschaft, an der ich festhalten wollte, entrissen wurde, nicht durch eine Hand, sondern durch Lippen auf meinem Mund, erschrak ich. Ich atmete heftig durch die Nase ein und  setzte mich kerzengerade auf, wobei ich mit dem Kopf gegen meinen mutmaßlichen Retter stieß.
Ich sah nichts. Alles war undeutlich und tat weh, als würde ich nach Tagen im Dunkeln in ein grelles Licht  blicken. Eine unbekannte Stimme rief unbekannte Worte: »Heiliger Koit, du lebst!«
Ich war völlig orientierungslos und suchte nach etwas Vertrautem. »Wo ist Mom?«


Meine Meinung:

Ich bin platt. So hab ich mich nach der letzten Seite des Buches gefühlt. Was für ein grandioses Buch. Konnte es nicht aus der Hand legen.

Aber mal von Anfang an. Die Idee? Dornröschen trifft auf Realität. Interessant und mit viel Potenzial. Und unglaublich gut umgesetzt. Die Handlung startet von der ersten Seite an rasant und lässt einen nicht mehr los. Man fühlt richtig mit Rose mit und muss sich mit ihrer Lage auseinander setzen, denn die Handlung wird aus Sicht von Rose erzählt. Somit bekommt der Leser einen ziemlich guten Eindruck von ihrer Gefühlswelt.

Rose ist eine 16-jährige in einem nunmehr 100 Jahre altem Körper. Die Stasis bewirkte bei ihr einen Stopp des Wachstums. Schon ihr ganzes Leben geht sie immer mal wieder in Stasis. Doch wird sie nach einer bestimmten Zeit immer wieder raus geholt. Doch dieses Mal geht es schief und sie kommt erst nach 62 Jahren wieder frei. Dies ist jetzt die Hürde, die sie nehmen muss. Ihre gewohnte Welt ist weg und sie ist allein unter Fremden. Doch man kann durch das gesammte Buch hinweg ihre tolle Entwicklung mitverfolgen. Vom schwachen Opfer hin zu einer starken Persönlichkeit, die sich nichts vorschreiben lässt. Sie war mir sofort sympatisch.

Bren, ihr Retter ist wie der schillernde Ritter. Er bietet ihr die Freundschaft an und hilft ihr bei allem, was so anfällt. Er ist ebenfalls ein starker Charakter und entwickelt sich im Buch weiter. Das zu beobachten macht sehr viel Spaß, auch wenn man ihm kurzzeitig mal lieber den Kopf abgerissen hätte. Durch seine charmante Art bekommt er noch die Kurve.

Otto ist etwas ganz besonderes. Er ist ein Außenseiter wie Rose, jedoch auf eine ganz andere Art. Zuerst scheint er Rose in keinster Weise leiden zu können und sie zu meiden. Als sie jedoch einen schriftlichen Kontakt aufbauen kommen auch sie sich näher und Otto wird zu einer wichtigen Stütze für Rose. Ein Freund, mit dem sie über fast alles reden kann. Und auch Otto öffnet sich ihr und hilft ihr, wo es nur geht.

Noch viele weitere Charaktere bevölkern diese futuristische Welt. Sie alle hier zu nennen wäre zu viel des Guten. Sagen wir einfach, es ist ein bunter Mix an Charakteren die man entweder liebt, hasst oder die einem gleichgültig sind. Es wird auf jeden Fall nicht langweilig ihnen zuzusehen und mit ihnen zu agieren.

Zu diesem Lesevergnügen trägt außerdem der leicht zu lesende Schreibstil bei. Er ist einfach gehalten und eventuell auftretende Probleme mit dem Verständnis einiger Wörter werden mit gut verständlichen Erklärungen ausgeräumt.

Von Anfang an wird man tief in die Geschehnisse hinein gezogen. Das tolle dabei ist, dass die Handlung nicht nur geradlinig verläuft, sondern immer wieder Erinnerungen von Rose an ihr früheres Leben eingebaut werden. Sie werden allerdings so geschickt darin verwoben, das das auf keinen Fall störend wirkt sondern viel eher zum Verständnis so mancher Situation beiträgt. Toll gelöst.

Zur Aufmachung des Buches fällt mir fast nichts anderes ein als wunderbar. Das Cover hat mich gleich angesprochen. Ein junges Mädchen ist darauf zu sehen, schlafend. Außerdem ist sie von einer Schicht Eis umgeben. Klare Hinweise auf die Handlung. Rose in ihrem Stasis-Schlaf, für die die Zeit eingefroren ist. Die dazu umgebenden dunklen Farben passen zur gesamten Stimmung des Buches.
Zu Beginn wird der Leser dann von einem Gedicht begrüßt. Einmal in Englisch und einmal, für's bessere Verständnis, in Deutsch. So einen Einstieg finde ich persönlich immer sehr stimmungsvoll.
Die Kapitel werden einfach übertitelt mit einem eigenen Schrifttyp, der sich dann auch beim ersten Buchstaben das Kapitels wiederfindet.

Einziges Fragezeichen bleibt für mich, ob es eine Fortsetzung geben wird. Von der Story her ist das durchaus denkbar, denn einige Punkte bleiben ungeklärt und der Leser wird dadurch mit einem Gefühl der Unvollständigkeit zurückgelassen. Zwar gibt es Gerüchte, dass es einen Folgeband geben soll, doch ob und wann dieser erscheint steht noch nicht fest. Man kann also gespannt sein.


 
Zum Schluss kann ich nur sagen .... lest es. Es war einfach eine wunderbare Geschichte, die mich sehr faszinierte, denn in einer solchen Situation würde ich mich unter keinen Umständen befinden wollen.








Autorenporträt:

 
Ihre erste Geschichte veröffentlichte Anna Sheehan mit 16 Jahren als Fortsetzungsroman in einer
Lokalzeitung, seitdem ist sie mit ganzer Leidenschaft Schriftstellerin.
Mittlerweile ist sie regelmäßig zu Gast bei der Pacific Northwest Writers Association, die ihre Arbeit mit einem Stipendium auszeichnete. 
»Während ich schlief« ist Anna Sheehans großes Romandebüt. Sie lebt auf einer einsam gelegenen Farm in  Oregon und schreibt bereits an ihrem nächsten Buch.

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